Was die Animation zeigt
Beim Reinigen steht das Fass auf dem Kopf, damit das Reinigungsmedium wieder ablaufen kann — die Animation dreht es beim Umschalten mit. Das Reinigungsmedium tritt am Rohrende aus, prallt auf den Sumpf und wird von dort als Fontäne über die Innenwände verteilt. Beim Zapfen steht das Fass aufrecht und das Bier läuft den umgekehrten Weg durch dasselbe Rohr. Beide Vorgänge hängen am selben Maß — und scheitern an derselben Abweichung auf entgegengesetzte Weise.
Waschschatten
Die Flächen, die das Reinigungsmedium nicht oder nicht ausreichend erreicht, heißen in der Branche Waschschatten. Sie entstehen nicht nur an der Fasswand, sondern auch am Steigrohr selbst — überall dort, wo der Strahl nicht hinkommt oder zu wenig Energie hat, um den Belag abzulösen. In der Animation sind sie als gestricheltes Band entlang der betroffenen Kontur markiert.
Beide Fehllängen erzeugen Waschschatten, nur aus entgegengesetzten Gründen: bei zu langem Rohr, weil der Spalt zum Sumpf zum Aufspreizen zu eng ist; bei zu kurzem, weil der Strahl auf dem langen Weg zerfällt und als Fontäne mittig zurückfällt.
Warum das Geld kostet
Im Normalfall bleibt nach dem Zapfen nur eine Pfütze im Sumpf zurück. Ist das Steigrohr zu kurz, bleibt eine deutlich größere Menge Bier im Fass stehen — bei jedem einzelnen Gebinde. Das ist ein direkter Verlust für die Brauerei und für den Gastronomen, und es ist einer der häufigsten Gründe für Beschwerden aus der Gastronomie bei der Brauerei.
Bei zu langem Steigrohr kommt oft gar kein Bier heraus — oder nur Schaum. An der Sumpf herrschen dann sehr unterschiedliche Strömungsgeschwindigkeiten, und das Bier schäumt auf, statt sauber zu fließen.
Der Bodenabstand
Der Bodenabstand — der Rest zwischen Rohrende und Sumpf — ist je Ventilsystem festgelegt, und zwar nicht willkürlich. Er wird so gewählt, dass die auftretenden Ventilhübe überhaupt möglich sind und Reinigen, Füllen und Entleeren richtig ablaufen.
| Ventilsystem | Bodenabstand |
|---|---|
| A- und G-System — Flach, Dreikant | 9 mm |
| M-System — Kombi | 15 mm |
| S-System — Korb | 14 mm |
| D-System — Draft/Sankey | 14 mm |
| U-System — Guinness | 14 mm |
Warum der Bodenabstand größer ist als er aussieht
Beim Reinigen und Befüllen öffnet das Ventil weiter als beim Zapfen. Am Korbfitting sind das rund 4 bis 6 mm am CO₂-Weg und 6,5 bis 8 mm am Bierweg — gegenüber 3 beziehungsweise 4 mm in der normalen Zapfstellung. Die 14 mm Bodenabstand sind also kein Sicherheitsabstand ins Blaue, sondern der Raum, den der größere Reinigungshub braucht.
Warum 9 mm und 14 mm so weit auseinanderliegen
Der zweite Grund steckt in der Bauart. Beim Flachfitting und beim Dreikantfitting bleibt das Steigrohr an seinem Platz — Zapfkopf, Reinigungs- und Füllkopf drücken nur das Ventil auf, das Rohr selbst bewegt sich nicht. Neun Millimeter reichen dort deshalb aus.
Beim Korbfitting, beim Sankey, beim Kombifitting und beim Guinness-Fitting ist das konstruktionsbedingt anders: Beim Ankuppeln schiebt sich das ganze Steigrohr ein paar Millimeter tiefer ins Fass. Dieser Weg muss unten frei bleiben, sonst setzt das Rohr auf dem Boden auf — daher die 14 beziehungsweise 15 mm.
Daraus folgt auch: Die für A- und G-Fittings kursierenden 9 bis 12 mm können kein Weg des Steigrohrs nach unten sein. Gemeint ist der freigegebene Öffnungsquerschnitt, nicht eine Rohrbewegung.
