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Werkzeug · Technisches Schema

Wie ein Keg über das Fitting gereinigt wird

Das Fass steht dabei kopfüber, der Reinigungskopf drückt beide Ventile im Fitting auf, und das Medium läuft durch das Steigrohr hinein und über den Ringkanal wieder heraus – in zwei Druckstufen, weil eine allein nicht das ganze Fass erreicht. Sechzehn Schritte, nachvollziehbar mit Quelle, und mit den Grenzwerten, ab denen man Fittings zerstört.

Wer diese Reinigung fährt – und wann. Was hier gezeigt wird, ist der Ablauf einer Kegwaschanlage in der Brauerei, unmittelbar vor der Abfüllung. Genau dort gehört er hin: Sterilität ist kein Zustand, den ein Fass behält, sondern einer für den Moment. Diese Seite ist ein Referenzbeispiel dafür, wie eine solche Reinigung aussehen sollte.

Nicht unser Ablauf. Fässer, die aus unserer Aufarbeitung kommen, sind grob vorgereinigt und von Bierstein und Ablagerungen befreit – sie sind nicht steril und nicht abfüllfertig. Die abschließende Reinigung mit Lauge und Säure und die Sterilisation sind immer kundenseitig erforderlich, direkt vor dem Befüllen. Warum das so ist, steht im Kasten auf der Generalüberholungsseite.

Schritt 1
Schnitt durch ein kopfüber stehendes Keg mit angedocktem Füll- und Reinigungskopf
Luft Wasser Lauge Säure Dampf CO₂ Bier Hochdruck · Strahl bis an den Sumpf
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    Warum zwei Druckstufen

    Ein Druck reicht nicht, um ein Keg sauber zu bekommen

    Das Medium hat nur einen Weg ins Fass: durch das Steigrohr. Oben am Rohrende tritt es aus – und was dann passiert, hängt allein davon ab, mit welchem Druck gefahren wird. Deshalb wechselt eine Reinigungsanlage die Druckstufe innerhalb desselben Schritts.

    Hoher Druck. Der Strahl schießt aus dem Steigrohr bis an den Sumpf, bricht dort auf und läuft an den Innenwänden herunter. So wird die gesamte Mantelfläche benetzt, und der Aufprall arbeitet mechanisch mit – das ist der Anteil der Reinigung, den die Chemie allein nicht leistet. Bei Lauge und Säure macht genau diese Phase den Unterschied zwischen „chemisch behandelt" und „wirklich sauber".

    Niedriger Druck. Jetzt kommt das Medium nur noch knapp aus dem Rohr heraus, fällt am Rohrende zurück und läuft außen am Steigrohr herunter, bis zum Fitting. Damit wird die eine Fläche gereinigt, die der Hochdruckstrahl systematisch verfehlt: die Außenseite des Steigrohrs und der Übergang in den Fittingkörper. Bierstein setzt sich bevorzugt dort fest, weil das Rohr im Betrieb ständig vom Bier umströmt wird.

    Wer nur mit hohem Druck fährt, bekommt ein Fass mit sauberer Wand und belegtem Steigrohr. Wer nur mit niedrigem Druck fährt, bekommt das Gegenteil. Im Schema oben lässt sich das umschalten: Bei den vier Nassschritten wechselt die Darstellung automatisch zwischen beiden Phasen.

    Diese Beschreibung stammt aus der eigenen Betriebspraxis. Konkrete Druckwerte nennen wir hier nicht – sie hängen von Anlage, Fassgröße und Fittingtyp ab.

    Grenzwerte

    Ab hier zerstört die Reinigung das Fitting

    Das ist der Teil, der in keinem Reinigungsratgeber steht und den Sie täglich in der Werkstatt sehen. Ein führender Fittinghersteller nennt in einer Seminarunterlage der Brewers Association ausdrückliche Obergrenzen – wer darüber fährt, macht Dichtungen und Federn kaputt.

    Medium / GrößeGrenzwertWas sonst passiert
    Dampf135 °C, max. 2 minGummi zersetzt sich, löst sich vom Metallkern
    Lauge80 °C, max. 10 min, ≤ 3 %Quellen und Verformen der Dichtungen
    Säure80 °C, max. 10 min, ≤ 3 %dito
    Anpresskraft Reinigungskopfmax. 250 kpausdrücklich als Ursache für undichte Fässer genannt
    Klemmkraftmax. 2.500 NO-Ring wird zerstört
    Ventilhub Bierventil (D-System)8 mm„A longer stroke can damage the beer spring"
    Ventilhub CO₂-Ventil (D-System)ca. 6 mm (Maximum)Überhub beschädigt die Ventilfeder
    ZentrierkonusAustausch bei > 64,2 mm ØDezentrierung, Fehlleitung des Reinigungsstroms
    Spalt Muffenring / Stapelrand8,5 mm ± 1,5Referenzmaß für verbogene Hälse
    Chlorhaltige Reinigermeidengreifen Fittingdichtungen an, korrodieren Edelstahl

    Quellen: Herstellerangaben eines führenden Fittingherstellers, veröffentlicht über die Brewers Association („A Practical Approach to Refillable Kegs") sowie in den Proceedings von MBAA/ASBC 2014; Chlorhinweis von ProBrewer. Die Hub- und Kraftwerte sind für das D-System belegt.

    Chemie

    Sieben Angaben, die kaum jemand nennt

    Die folgenden Werte stammen aus dem Reinigungs-Whitepaper eines der größten europäischen Keghersteller. Sie ergänzen die Prozessparameter der Poolbetreiber an genau den Stellen, an denen dort nur eine Zahl ohne Begründung steht.

    • Über 80 °C wird die Lauge schlechter, nicht besserDie empfohlene Laugentemperatur liegt bei 50 bis 70 °C. Darüber fällt gelöster Schmutz wieder aus und lässt sich anschließend schwerer entfernen. Heißer ist hier also nicht sauberer.
    • Die Säure gehört nicht in jeden ZyklusPhosphorsäure 0,2 bis 0,4 % v/v bei 50 bis 70 °C – aber ausdrücklich periodisch, nach Wasserhärte, nicht nach jeder Nutzung. Das ist der Punkt mit den größten Folgen für Chemikalienverbrauch, Taktzeit und Abwasser.
    • pH-Papier misst die falsche GrößeDie Konzentration lässt sich nur per Titration bestimmen. Der pH-Wert sagt etwas über die Stärke der Base aus, nicht über ihre Menge – eine erschöpfte Lauge kann weiterhin pH 13 zeigen.
    • Das Restgas muss vollständig rausNatronlauge und Kohlendioxid reagieren zu Natriumhydrogencarbonat. Das schäumt in der Anlage und lässt sich schwer ausspülen. Deshalb steht die Entgasung am Anfang und nicht irgendwo.
    • Bierstein ist CalciumoxalatNicht Kalk, nicht Eiweiß. Er tritt bei unfiltriertem Bier deutlich stärker auf – und braucht deshalb die Säure, die die Lauge allein nicht ersetzt.
    • Der Dampf wird über den Druck eingestellt1,0 bis 2,2 bar ergeben 110 bis 135 °C. Wer den Druck kennt, kennt die Temperatur – ein zweites Thermometer braucht es dafür nicht.
    • Der Sumpf soll erreichbar bleibenDas Steigrohr soll bis in den Sumpf reichen, aber nicht so dicht an den Bodendom, dass der Spülstrom behindert wird. Die Maßtoleranzen von Fass, Ventil und Steigrohr sind damit ein Reinigungsthema, kein reines Montagethema.
    Es gibt keine Norm, die die Kegreinigung vorschreibtRechtslage

    Das steht so im Whitepaper. Der Rahmen ergibt sich aus dem allgemeinen Lebensmittelhygienerecht – der Verordnung über gute Herstellungspraxis für Materialien mit Lebensmittelkontakt, der Rahmenverordnung 1935/2004 und der Lebensmittelhygieneverordnung 852/2004. Was daraus für ein Keg konkret folgt, legt der Abfüller fest, nicht der Normgeber.

    Deshalb weichen die veröffentlichten Parameter der Poolbetreiber, der Verbände und der Hersteller voneinander ab – und deshalb gehört zu jeder Zahl die Angabe, wer sie aufgestellt hat.

    Drei Stellen, an denen sich die Quellen widersprechengeprüft

    Säurekonzentration. Ein Poolbetreiber nennt 0,25 bis 0,4 % v/v, der Hersteller 0,2 bis 0,4 %. Obergrenze gleich, Untergrenze fünf Hundertstel darunter, in beiden Fällen ohne Herleitung.

    Dampfzeit. Der Poolbetreiber nennt 60 Sekunden. Der Hersteller nennt gar keine Zeit, nur die „erforderliche Dauer“ bei 110 bis 135 °C. Unser 60-Sekunden-Wert bleibt damit eine Einzelangabe.

    Restkondensat. Poolbetreiber und Verband nennen übereinstimmend 40 bis 80 ml. Im Herstellermaterial steht dazu in sechzehn Dokumenten kein einziger Wert.

    Einstellung am Kopf

    Wie weit der Reinigungskopf das Ventil eindrücken darf

    Der Füll- und Reinigungskopf öffnet die Ventile, indem er sie eindrückt. Wie weit er das darf, ist eine Konstruktionsgröße des Fittings und keine Sache der Einstellung. Beim Flachfitting Typ A und beim Dreikantfitting Typ G beträgt der Ventilhub 9 bis 12 mm. Füll- und Reinigungsköpfe werden auf die Mitte dieses Bereichs eingestellt; weiter darf kein Kopf das Ventil eindrücken.

    Beim Korbfitting Typ S bewegt sich nicht nur das Ventil. Beim Öffnen senkt sich das ganze Steigrohr um rund 7 mm ab – deshalb liegt der Abstand zum Fassboden dort bei 14 mm und nicht bei 9 mm wie beim Typ A. Beim Draftfitting Typ D wandert das Steigrohr beim Öffnen ebenfalls nach unten, um den Ventilhub.

    Für das Reinigen hat das zwei Folgen. Der Kopf muss zum Typ passen, sonst öffnet er die Ventile nicht vollständig oder drückt sie über den Hub hinaus. Und das Rohrende steht während der Reinigung tiefer im Fass als im Ruhezustand – der Niederdruckfilm läuft also über die volle Rohrlänge.

    FittingtypAbstand Rohr – Fassboden
    A · Flachfitting9 mm
    G · Dreikantfitting9 mm
    S · Korbfitting14 mm
    D · Draftfitting14 mm
    M · Kombifitting15 mm

    Werte nach AOBAOSI, Zusammenbauzeichnungen JM-AX-02, JM-GX-02, JM-SX-02, JM-D2-01 und JM-MX-02. Verbindlich ist die Zeichnung zum jeweiligen Auftrag. Die Hub- und Kraftwerte in der Tabelle darüber sind für das D-System belegt.

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