Der Durchmesser entscheidet, nicht das Volumen
Wer ein Fass bestimmen will, misst zuerst falsch. Die naheliegende Frage lautet „Wie viel passt rein?", die nützliche lautet „Wie breit ist es?". Denn das Volumen steckt in der Höhe, die Bauform im Durchmesser – und nur die Bauform entscheidet darüber, was in Ihren Kühlraum passt, was sich stapeln lässt und welche Ersatzteile es dafür gibt.
Drei Familien teilen den europäischen Markt unter sich auf.
Aufnahmen aus dem eigenen Bestand. Die Bilder sind nicht untereinander maßstäblich – das leistet die Zeichnung weiter unten.
Zwei Druckklassen – und warum das nicht DIN gegen EURO heißt
DIN 6647 hat zwei Teile. Beide gelten für zylindrische Getränkebehälter bis 50 Liter Nennvolumen, und was sie trennt, steht schon in ihren Titeln: der zulässige Betriebsüberdruck.
| Norm | Zulässiger Betriebsüberdruck | Nennvolumen bis |
|---|---|---|
| DIN 6647-1:2006-12 | 0,3 MPa · 3 bar | 50 l |
| DIN 6647-2:2006 | 0,7 MPa · 7 bar | 50 l |
Eine Bauform kommt in keinem der beiden Titel vor. Die Bezeichnung eines Behälters lautet nach Teil 1 zum Beispiel Getränkebehälter DIN 6647-1-0,3-20 – Normteil, Druck, Volumen. Welche Form das Fass hat, steckt da nicht drin.
Für die Praxis heißt das: DIN-Keg und EURO-Keg liegen in derselben Druckklasse. Bierfässer beider Bauformen tragen einen eingeprägten zulässigen Betriebsüberdruck von 3,0 bis 3,5 bar. Ein EURO-Keg ist nicht das stärkere Fass – es ist das breitere und niedrigere.
Wofür die 7-bar-Klasse gebraucht wird
Der Titel von Teil 2 sagt es nicht. Naheliegend sind stärker karbonisierte Getränke; in dieselbe Größenordnung gehört das Limofitting Typ L, das bis 7 bar ausgelegt ist. Das ist unsere Einordnung, kein Normzitat. Den Volltext beider Normen haben wir nicht eingesehen – er ist kostenpflichtig. Der eingeprägte Betriebsüberdruck von 3,0 bis 3,5 bar ist unsere Werkstattangabe aus dem laufenden Bestand.
Die Maße, maßstäblich
Die folgende Zeichnung ist aus den Zahlen gebaut, nicht aus den Fotos. Gleiches Volumen, gleicher Maßstab – man sieht sofort, was der Durchmesser mit der Höhe macht.
50 Liter in zwei Bauformen, 20 Liter in drei
Alle Angaben in Millimetern, Höhe über alles.
| Bauform | Ø | 20 l | 25 l | 30 l | 40 l | 50 l |
|---|---|---|---|---|---|---|
| DIN | 363 mm | 305 | 350 | 400 | – | 600 |
| EURO | 395 mm | 287 | 325 | 365 | 450 | 532 |
| SLIM | 237 mm | 560 | – | – | – | – |
| SLIM | 278 mm | 435 | 513 | 590 | – | – |
| SLIM | 309 mm | – | 475 | – | – | – |
Höhen in Millimetern. Betriebsdaten aus dem eigenen Bestand; bei Fässern aus unterschiedlichen Baujahren und von unterschiedlichen Herstellern kommen Abweichungen von wenigen Millimetern vor.
SLIM – und die eine Einschränkung
Schlanke Fässer sind beliebt, und die Gründe sind gut: Sie passen in enge Kühlräume, sie sind leichter zu tragen, und für kleinere Ausschankmengen ist ein 20-Liter-Gebinde mit 278 Millimetern Durchmesser das handlichere Format. In der Craft-Szene sind sie deshalb Standard.
Es gibt aber einen Fall, in dem sie sich anders verhalten als ein DIN- oder EURO-Fass, und der ist nicht offensichtlich.
Sommerexport: die Kopfraumgeometrie, nicht die Füllmenge
Ein Gutachten des Forschungszentrums Weihenstephan der TU München hat einen Schadensfall untersucht, bei dem schlanke Fässer im Sommerexport reihenweise undicht wurden. Der naheliegende Verdacht war Überfüllung. Er war falsch – der Kohlensäuregehalt der betroffenen Fässer lag im Normbereich.
Ursache ist die Geometrie des Kopfraums. Bei einem schlanken, hohen Fass ist das Gaspolster über dem Bier bei gleicher Füllmenge kleiner und anders geformt als bei einem breiten. Steigt die Temperatur, hat die Ausdehnung weniger Raum, und der Druck läuft schneller hoch. Die Dichtung gibt nach, bevor irgendein Sicherheitsmechanismus greift.
Praktisch heißt das: Für den Ausschank im gekühlten Keller sind SLIM-Fässer unauffällig. Für ungekühlten Transport in warme Regionen sollte man wissen, was man tut – und im Zweifel die breitere Bauform wählen. Wir haben den Fall in einem eigenen Beitrag ausführlich nachgerechnet.
Was die Bauform nicht entscheidet
Ein verbreiteter Kurzschluss: „DIN-Keg, also Flachfitting." Das stimmt oft und ist trotzdem keine Regel.
Bauform
Außendurchmesser, Höhe, Stapelrand, Palettierung, Ersatzteilverfügbarkeit für Kranz und Boden.
Erkennbar mit einem Maßband.
Fitting
Welcher Zapfkopf passt, welche Sonden Ihre Waschanlage braucht, welcher Öffnungshub beim Reinigen zur Verfügung steht.
Erkennbar am Gehäuse über der Muffe – Flachfitting Typ A misst 74,5 mm, Dreikantfitting Typ G 70 mm. Beim Korbfitting sitzt gar kein Gehäuse über der Muffe.
Beides ist unabhängig voneinander. Ein EURO-Keg kann ein Korbfitting tragen, ein DIN-Keg ein Kombifitting. Die Muffe ist bei allen gängigen Bauformen dieselbe: 2 Zoll mit 14 Gängen je Zoll. Deshalb lässt sich ein Fass umrüsten, ohne dass am Behälter etwas geändert wird.
Zwei Sonderformen, die oft übersehen werden
Das Party-Keg ist kein Keg im engeren Sinn, sondern ein Gebinde für den Direktausschank – mit bayerischem oder österreichischem Anstich statt eines Fittings. Es gehört in einen anderen Kreislauf und lässt sich nicht mit derselben Anlage waschen.
Das Opti-Keg und verwandte Bauarten tragen Kranz und Boden aus Kunststoff. Das schützt vor Stößen und dämpft den Lärm im Umschlag. Es hat aber einen Preis, der in keinem Prospekt steht: Beschädigungen und Leckagen sind unter der Ummantelung nicht zu sehen. Wer solche Fässer prüft, braucht Zusatztechnik – in der Praxis Thermografie –, um Austritte im Bereich der Sicherheitsberststelle zu finden. Das ist der einzige Nachteil der Ummantelung, für den wir einen Beleg haben; alle anderen, die man hört, konnten wir nicht bestätigen.
Kurz gefasst
- EURO, wenn Marktgängigkeit, Ersatzteilversorgung und Druckreserve zählen. Das ist der sichere Weg.
- DIN, wenn die Palettierung entscheidet – schlanker bei gleichem Inhalt, dafür höher.
- SLIM, wenn Kühlraum und Handhabung entscheiden und der Weg zum Ausschank kurz und gekühlt ist.
Und in allen drei Fällen: Die Bauform sagt nichts über das Fitting. Das ist eine eigene Entscheidung.
Newsletter
Neue Fachbeiträge, sobald sie fertig sind
Etwa einmal im Monat: neue Beiträge, neue Rechner, was sich an Normen und Verpackungsrecht bewegt – und Angebote aus unserem Programm.

