Warum die Frage schwerer ist, als sie klingt
Ein Gastronom bekommt ein Fass geliefert, das sein Zapfkopf nicht annimmt. Er sucht im Netz nach einer Liste „Brauerei → Fittingtyp", findet mehrere – und die widersprechen sich. Das ist kein Zufall.
Wir haben über tausend Zuordnungen aus dreizehn Ländern zusammengetragen und dabei gelernt, dass die verbreiteten Listen ein gemeinsames Problem haben: Sie sind fast alle Kopien voneinander. Identische Reihenfolge, identische Tippfehler, teilweise Marken, die im betreffenden Land gar nicht gehandelt werden. Wer zwei solche Listen findet, die übereinstimmen, hat nicht zwei Belege, sondern einen.
Das passende Werkzeug dazu
Der Zapfkopf-Finder beantwortet die Frage für 1.024 Marken aus dreizehn Ländern – und schreibt an jede Zeile, wie gut sie belegt ist. Frei zugänglich, ohne Anmeldung. Brauerei nachschlagen
Vier Abhängigkeiten, an denen jede Liste scheitert
Gebindeabhängig
Dieselbe Marke, unterschiedliche Fassgröße, unterschiedlicher Fitting. In den Niederlanden führen mehrere Marken eines Großkonzerns das 50-Liter-Fass auf Korb und das 20-Liter-Fass auf Flach. In Belgien liegt die Grenze bei derselben Marke anders: 20 Liter Flach, 30 und 50 Liter Korb.
Aber die Regel gilt nicht für den Markt, sondern für diesen einen Konzern. Eine andere niederländische Brauerei fährt auch das 50-Liter-Fass auf Flach.
Baujahrsabhängig
Eine niederländische Brauerei hat zu einem dokumentierten Stichtag umgestellt: Fässer ab August 2023 tragen Flachfitting, ältere Kombifitting. Beide Bauarten laufen parallel im Markt, weil beide Fässer noch im Umlauf sind.
Das ist der einzige datierte Umstellungsfall, den wir belegen konnten – und selbst dort stammen die beiden Fundstellen aus derselben Quelle.
Marktabhängig
Dieselbe Marke, anderes Land, anderer Kopf. Eine niederländische Marke fährt im Inland Flach und in Großbritannien Dreikant. Eine belgische Marke steht in Frankreich durchgehend auf Korb, in den Niederlanden das 20-Liter-Fass einer Sorte auf Flach. Eine irische Marke hat in Frankreich einen eigenen Kopftyp und erscheint in britischen Listen unter Flach.
Sortenabhängig
Innerhalb derselben Marke unterscheiden sich Sorten. Belegt an einer belgischen Abteibiermarke und an einer fränkischen Brauerei, die untergärig und Weizen unterschiedlich anschließt.
Vom Konzern auf den Fitting zu schließen, geht schief
Der häufigste Kurzschluss lautet: „Die gehören doch zur selben Gruppe, also derselbe Anschluss." Wir haben das an einem polnischen Konzern durchgeprüft, zu dem vier bekannte Marken gehören.
| Marke | Fittingtyp |
|---|---|
| Marke 1 | Kombi (M) |
| Marke 2 | Flach (A) |
| Marke 3 | Flach (A) |
| Marke 4 | Kombi (M) |
Vier Marken, ein Eigentümer, zwei Fittingtypen. Wer vom Konzern ableitet, liegt hier in der Hälfte der Fälle falsch. Dasselbe Bild in Belgien: Ein Braukonzern führt eine seiner Marken auf Flach, zwei andere auf Korb.
Der Grund ist historisch. Fittings gehören zum Fassbestand, nicht zur Marke. Wenn eine Brauerei übernommen wird, wandert ihre Flotte mit – und die wird nicht umgerüstet, nur weil das Firmenschild wechselt.
Warum ausgerechnet Deutschland die schlechteste Datenlage hat
Für Deutschland – den größten Fassbiermarkt Europas – gibt es die wenigsten Einträge. Nicht, weil es keine Quellen gäbe, sondern aus dem umgekehrten Grund:
Die Angabe erscheint genau dort, wo sie abweicht. Ein Großhändler in Hannover setzt den Fittingtyp als Klammerzusatz in die Gebindezeile – aber nur bei neun von rund hundertdreißig Fassartikeln. Genau bei den neun, die nicht Flach sind.
Für die Praxis heißt das etwas Nützliches: Die Faustregel „Flach, wenn nichts dagegen spricht" ist für den deutschen Bestand belastbarer als anderswo. Sie lässt sich nur schlecht belegen – weil Schweigen kein Beleg ist.
Umgekehrt in Tschechien: Dort führen zwei voneinander unabhängige Fachquellen je rund hundert Brauereien nach Kopftyp auf und stimmen bei jedem geprüften Namen überein. Das ist die einzige Landesliste, die diesen Test besteht. Nach Anzahl führt dort das Flachfitting, nach Volumen das Korbfitting – die großen Marken eines Konzerns stehen geschlossen auf Korb.
Der Dreikantfitting ist nicht britisch
Eine Zuschreibung, die sich hartnäckig hält und die wir nicht bestätigen konnten: „Typ G, also Großbritannien." Belegt haben wir den Dreikantfitting inzwischen in Großbritannien, in Österreich bei zwei Betrieben, im Baltikum – ein deutscher Fachhändler verkauft den Dreikantkopf ausdrücklich als abgestimmt auf eine estnische Brauerei – und in Deutschland genau einmal, bei einer thüringischen Brauerei.
Eine saubere Landeszuordnung gibt es also nicht.
Technisch ist das ohnehin ein Sonderfall: Typ A und Typ G sind innen baugleich. Dasselbe Ventil, dasselbe Steigrohr, dieselben Ersatzteile – nur das Gehäuse ist außen dreikantig statt flach. Zapfköpfe sind deshalb nicht austauschbar, Verschleißteile schon. Das ist eine eigene Werkstattangabe von uns, keine Norm.
Die dreißig Sekunden, die jede Liste ersetzen
Wenn das Fass vor Ihnen steht, brauchen Sie keine Liste. Sie brauchen einen Messschieber.
So sieht ein Fitting von innen aus – fünf Typen, zerlegt:
Explosionsdarstellungen: Aobaosi Fittings.
- Gehäusedurchmesser messen. Der schnellste und sicherste Unterschied – und mit bloßem Auge nicht zuverlässig zu schätzen.
- Auf die Außenform sehen. Rund und flach: Typ A. Rund mit Korbstruktur: Typ S. Dreikantig: Typ G. Kombiniert mit Bajonettverschluss: Typ M.
- Nicht vom Gewinde ausgehen. Die Muffe ist bei allen gängigen Typen dieselbe: 2 Zoll, 14 Gänge je Zoll. Daran erkennen Sie gar nichts – und deshalb lässt sich ein Fass auch umrüsten.
| Gehäuse Ø | Typ | Achtung |
|---|---|---|
| 74,5 mm | Flachfitting A, Kombifitting M | zwei Typen, ein Maß – hier entscheidet der Blick von oben ins Fitting |
| 70 mm | Dreikantfitting G | gemessen über den dreilappigen Flansch |
| 68 mm | Flachfitting, Linksgewinde-Ausführung | tritt nur mit Linksgewinde auf; spürbar kleiner als die übrigen Flachfittinge und beim groben Messen leicht falsch einsortiert |
| kein Gehäuse über der Muffe | Korbfitting S | sitzt mit seinem Außengewinde innerhalb der Muffe und baut nach innen – darüber steht nichts, was sich messen ließe |
| 60 mm | Limofitting, allgemeine AfG-Ausführung | kein Bierfitting – ausgelegt bis 7 bar |
| 58 / 56 mm | Limofitting, markengebundene Ausführungen | gehen nur an lizenzierte Abfüller |
| 2″ × 14 TPI ≈ 50,8 mm | Sankey D, mit Gewinde | kein Gehäuse über der Muffe – maßgeblich ist das Gewinde |
| 53,7 mm über die Sicherungsnasen 50,2 mm Körper 38,9 mm Öffnung | Sankey D, gewindelos | wird in der Muffe versenkt und mit einem Sicherungsring gehalten; passt nur in gewindelose Hälse |
Der Sonderfall Sankey. Bei Typ D steht keine Gehäusezahl, und das liegt an der Bauweise. Die anderen Typen haben ein Gehäuse, das auf der Muffe aufsitzt – deshalb messen sie durchweg mehr als das Gewinde. Beim Sankey sitzt der Körper innen in der Muffe und schließt bündig mit ihr ab.
Es gibt ihn in zwei Ausführungen: mit Standardgewinde 2 Zoll × 14 Gänge je Zoll – passt in jede normale europäische Muffe – oder gewindelos, dann wird der Körper in einer gewindelosen Muffe versenkt und mit einem Sicherungsring gehalten. Gehalten wird er dabei von Sicherungsnasen, die in die Muffe greifen – kein Bund, der oben aufliegt, sondern eine Verriegelung, die im Hals verschwindet. Nach der Herstellerzeichnung misst das Bauteil 53,7 mm über die Sicherungsnasen, der eintauchende Körper 50,2 mm und die obere Öffnung für den Zapfkopf 38,9 mm. Die gewindelose Bauart kommt vor allem aus dem britischen und amerikanischen Markt.
Acht Teile, zwei Werkstoffe
Die Herstellerzeichnung zerlegt das D-Fitting in acht Positionen: Gehäuse, CO₂-Ventil, Kugel, Bierfeder, Steigrohr, CO₂-Feder, Sicherungsscheibe, Dichtring.
Sechs davon sind Edelstahl 1.4301, zwei sind EPDM – das CO₂-Ventil und der Dichtring. Damit ist erklärt, warum die Grenzwerte für Dampf, Lauge und Säure so eng liegen, wie sie liegen: Nicht der Stahl setzt sie, sondern das Gummi. Wer das Fitting über diese Grenzen fährt, zerstört zwei von acht Teilen – und zwar genau die beiden, die dicht halten sollen.
Beide liegen bei rund fünfzig Millimetern – das Gewinde mit 2 Zoll nominal bei 50,8, der gewindelose Körper bei 50,2. Es ist dieselbe Baugröße, nur zweimal anders gehalten: einmal vom Gewinde, einmal vom Sicherungsring. Deshalb gehört das Sankey nicht in dieselbe Reihe wie die 74,5-, 70- und 68-Millimeter-Gehäuse – die messen ein Bauteil über der Muffe, das Sankey hat keines.
Für die Praxis folgt daraus etwas, das teuer werden kann: Ein Fass mit gewindeloser Muffe nimmt kein Standardfitting an, egal welchen Typs. Wer solche Fässer übernimmt, braucht vorher einen Muffenumbau auf Standardgewinde – das ist ein Eingriff am Fass, kein Teiletausch.
Daraus wird die Regel, die schneller ist als der Messschieber: Ein Sankey erkennt man daran, dass es nichts zu messen gibt. Wo über der Muffe ein Gehäuse steht, ist es keines. Und die zweite Frage lautet dann nicht „wie groß", sondern „mit Gewinde oder ohne".
Das 74,5-Millimeter-Problem: Flachfitting und Kombifitting teilen sich dasselbe Gehäusemaß. Wer nur misst, hat zwei Kandidaten. Getrennt werden sie im Blick von oben: Beim Kombifitting sitzt unter dem CO₂-Ventil der Dichtung ein kugelförmiges Gegenstück aus Edelstahl, deutlich vertieft. Beim Flachfitting liegt die Stirnfläche des Steigrohrs nahezu bündig in der Dichtung, auf Höhe des Fittingkopfs – eine flache Ansicht ohne vertiefte Kugel. Der Messschieber grenzt ein, entschieden wird im Fitting.
Zwei Merkmale, die schneller sind als der Messschieber
Die Nockenmarkierung. Beim Korbfitting steht die Sicherungsvariante am Nocken: keine Marke heißt ältere Ausführung ohne Sicherungshaken, III oder R heißt Haken vorhanden, aber nicht am Gehäuse befestigt, S heißt Haken angeschweißt. Die Varianten brauchen unterschiedliche Dichtungen – wer das übersieht, bestellt den falschen Satz. Dieselbe Systematik gibt es beim Flach- und beim Kombifitting.
Die Umdrehungen zählen. Das Standardgewinde mit 2 Zoll und 14 Gängen je Zoll braucht rund zehn Umdrehungen, bis das Fitting sitzt. Ein Grobgewinde – wie es bei Fässern aus den achtziger Jahren und besonders bei PU-ummantelten Bauformen vorkommt – ist nach drei bis fünf fest. Das geht ohne Werkzeug.
Wenn das Fass noch nicht vor Ihnen steht, hilft unsere Kompatibilitätsmatrix weiter. Sie enthält über tausend Einträge aus dreizehn Ländern – und, das ist uns wichtiger als die Zahl, zu jedem Eintrag die Belegstärke.
Was wir nicht behaupten
Von den Einträgen unserer Matrix sind nur gut ein Zehntel belegt im engeren Sinn – also durch mindestens eine Quelle gestützt, die nicht Kopie einer anderen ist. Ein knappes Drittel ist plausibel, knapp die Hälfte dünn, vier Einträge sind widersprüchlich.
Wir zeigen diese Bewertung an jedem einzelnen Eintrag an, statt sie zu verstecken. Einen Eintrag mit der Belegstärke „dünn" kommunizieren wir nie als Zusage. Das ist unbequem, aber es ist der einzige Umgang mit dieser Datenlage, den wir vertreten können.
Offene Fälle, an denen wir arbeiten
- Vier deutsche Widersprüche – vier Brauereien, für die wir zwei einander widersprechende Quellen haben und keine dritte. Fall für die Werkstattmessung.
- Ein tschechischer Widerspruch zwischen den beiden sonst deckungsgleichen Landesquellen.
- Luxemburg – nach zwei Durchgängen genau ein Treffer aus einer einzigen Quelle.
- Österreich und die Schweiz bleiben dünn; die Schweiz hängt fast vollständig an einer einzigen Verbandsaussage.
Wenn Sie eine dieser Lücken schließen können – weil Sie den Fitting einer der genannten Brauereien selbst kennen –, schreiben Sie uns. Wir korrigieren die Matrix laufend, und dass eine Angabe von außen kam, schreiben wir dazu.
Kurz gefasst
Es gibt keine verlässliche Zuordnung „Brauerei → Fitting", weil der Fitting nicht an der Marke hängt, sondern am einzelnen Fass – und Fässer wandern zwischen Gebindegrößen, Ländern, Sorten und Eigentümern.
Was verlässlich ist: erst der Blick auf die Muffe, dann der Messschieber. Sitzt ein Gehäuse auf der Muffe, heißt 74,5 Millimeter Flach oder Kombi und 70 Millimeter Dreikant. Sitzt der Körper innen im Gewinde, ist es ein Korb- oder ein Sankeyfitting. Zwischen Flach und Kombi entscheidet die vertiefte Edelstahlkugel unter der Dichtung. Alles andere ist Wahrscheinlichkeit, unsere eingeschlossen.
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